Am 19. und 20. September – nur einen Tag nach dem European Youth Cup Lead – ging im DAV-Landesleistungszentrum Augsburg die Deutsche Meisterschaft Bouldern über die Bühne. Zuschauer waren coronabedingt nicht zugelassen. Bei bestem Wetter fand dennoch ein hochkarätiger und spannender Wettkampf statt: Erst am letzten Boulder fiel die Entscheidung. PerspektivTeam-Athletin Hannah Meul vom DAV Rheinland-Köln holte sich direkt nach dem Bronze-Erfolg beim European Youth Cup im Lead auch den Deutschen Meister-Titel im Bouldern. Philipp Martin vom DAV Allgäu-Kempten gelang Gleiches bei den Männern. Florence Grünewald (DAV Frankfurt/Main) und Lucia Dörffel (DAV Chemnitz) holten die Plätze zwei und drei bei den Damen. Bei den Herren gingen diese Plätze an Christoph Schweiger (DAV Ringsee) und Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd).

Spektakulärer Routenbau

So spannend und unberechenbar kann ein Kletterwettkampf laufen: Philipp Martin zog als Sechstplatzierter ins Finale ein und ging als Sieger daraus hervor. Die Entscheidung fiel erst am letzten Boulder. Am letzten Boulder fiel auch die Entscheidung bei den Damen. Das Ergebnis war allerdings ein bisschen vorhersehbarer als bei den Herren, denn Hannah Meul ging bereits aus dem Halbfinale als Bestplatzierte hervor. Ein Spaziergang war das Finale freilich weder für sie noch für die anderen Damen und Herren. Die Boulderprobleme erwiesen sich als ausgesprochen fordernd und spektakulär. Unterm Strich war der erste Wettkampf auf nationaler Ebene nach der Corona-Pause trotz fehlendem Publikum ein voller Erfolg. Aus sportlicher Sicht freute sich Bundestrainer Urs Stöcker über das Event: „Der Routenbau war spektakulär. Die Athletinnen und Athleten konnten daran unter Beweis stellen, dass sie wieder in Wettkampfform sind.“

Mit der Präsentation der Finalistinnen und Finalisten ging der Wettkampftag in die alles entscheidende Runde. So ausgelassen wie sonst fiel der Applaus diesmal nicht aus – logisch, denn außer Trainerinnen, Orga-Helfern und bereits ausgeschiedenen Athletinnen und Athleten war niemand physisch anwesend. Alle anderen Zuschauerinnen und Zuschauer saßen vor ihren Bildschirme und schauten den Livestream. Was sie zu sehen bekamen, war spektakulär. Bereits in den Vorrunden ist deutlich geworden, wie sehr sich der Routenbau fortentwickelt hat. Fast durfte man den Eindruck haben, dass die erzwungene Corona-Wettkampfpause bei den Routenschraubern noch einmal einen zusätzlichen Impuls bewirkt hat. Komplex, vielseitig und herausfordernd vom ersten bis zum letzten Zug gestalteten sich denn auch alle Boulderprobleme in allen Wettkampfrunden – und ganz besonders natürlich im Finale.

Hannah Meul kam ging als Letzte ins Finale. Man durfte gespannt sein, wie sie den ersten Boulder angehen würde: Mittelsteil und an großen flachen Griffen kam er ihrem Kletterstil entgegen. Und tatsächlich schmiegte sie sich so elegant an die Wand, dass man den Eindruck hatte, die Schwerkraft gälte für sie nicht. Den Topgriff verfehlte sie trotzdem, wenn auch knapp. Am zweiten Boulder blieb ihr dieses Schicksal erspart: Im vierten Anlauf sprang sie Alma hinterher und zog durch bis zum Top. Elegant an die Wand schmiegen blieb auch in Boulder drei ihre Stärke. Leider aber mit ähnlichem Effekt wie bei Boulder eins: Es blieb bei der Zonenwertung. Den letzten und entscheidenden Boulder schaffte sie im Flash und machte damit ihren Titel klar.

Quelle: DAV / Bild: OSP Rheinland