Nach dem Lockerungen nehmen auch die Degenfechter*innen den Trainingsbetrieb wieder auf. Ob die Weltmeisterschaften in Salt Lake City, für die sich PerspektivTeam-Fechter Paul Veltrup qualifiziert hat, jedoch ausgetragen werden, ist noch ungewiss.

Die Corona-Pandemie sorgte bei den Fechter*innen des FC Krefeld zunächst einmal für große Verunsicherung. Einige Schützlinge von Cheftrainer Lajos Csire hatten sich für nationale und internationale Wettbewerbe und Meisterschaften qualifiziert – allen voran Paul Veltrup und Keanu Nagel. Die beiden Ranglistenersten ihrer Altersklassen (Junioren und A-Jugend) haben nach wie vor die Tickets für die Weltmeisterschaften in Salt Lake City in der Tasche. Doch ob diese kontinentalen Titelkämpfe noch in diesem Jahr stattfinden werden, steht nach wie vor in den Sternen.

Zunächst trainierten die FCK-Degenfechter zwar noch bis zur Schließung der Sportanlagen, aber mit dem sogenannten Shutdown, den die Bundesregierung am 22. März verhängt hatte, wich die eingangs erwähnte Verunsicherung einer nüchternen Gewissheit. Diese Saison würde in keinem Fall mehr einen halbwegs normalen, vorhersehbaren Verlauf nehmen. So blieb Trainer Csire nichts anderes übrig, als seinen jungen Fechtern Trainingspläne mit auf den Weg zu geben.

An derartige Vorgaben halten sich die Schüler und Studenten mit unterschiedlicher Intensität. Veltrup beispielsweise, der nicht nur bei den Junioren, sondern auch immer mehr bei den Senioren antritt, nahm die Hausaufgaben besonders ernst. Unterstützt wurde er dabei von seinem Athletik-Trainer Marco Giorgio, der lächelnd bemerkt: „Paul ist so athletisch wie noch nie. Er ist im Moment körperlich eine Maschine.“ Was ihm ebenso wie allen anderen Fechtsportlern aktuell fehlt, ist die Wettkampfpraxis.

Veltrup ist jemand, der die Dinge überwiegend positiv sieht: „Ich stecke mitten im Abitur, was ja auch der Fall gewesen wäre, wenn ich das Training, die Wettkämpfe und Meisterschaften in vollkommen normalen Umfang absolviert hätte. Somit habe ich definitiv etwas weniger Abitur-Stress.“ Sportlich war der zweite Platz beim Junioren-Weltcup-Turnier in Basel bisheriger Saisonhöhepunkt für den 19-jährigen Grefrather. Die Silbermedaille ist für den Deutschen Fechter Bund der erste Einzelerfolg im Herrendegen bei einem Junioren-Weltcup seit vier Jahren. In der FIE-Weltrangliste rangiert der Abiturient nach der jüngsten Aktualisierung nun auf Platz acht.

Seit einigen Tagen fährt der FCK das Training in der Halle wieder vorsichtig hoch. Noch dürfen die Duschen und Umkleideräume nicht genutzt werden und das Training findet in Kleingruppen statt. „Aber unsere Fechter haben schon ordentlich Nachholbedarf und freuen sich auf Normalität im Training“, sagt Csire. Auch für ihn, ein alter Hase im Fechtsport, ist die aktuelle Situation nicht ohne weiteres zu managen: „Wir müssen bereits die nächste Saison im Blick haben, also langfristig planen. Beispielsweise wird Paul Veltrup im Junioren- und im Senioren-Weltcup an den Start gehen. Das bedeutet ein hohes Maß an Weitblick und logistischer Planungsarbeit.“

Das Budget für die vielen Reisen zu den Turnieren in der ganzen Welt steht und wird überwiegend durch die Eltern des größten deutschen Nachwuchstalents im Degenfechten bestritten. Nach dem Abitur würde Paul Veltrup gern zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehören. Das hätte einige Vorteile für ihn, der in diesem Fall auch finanzielle Unterstützung erhielte. Und wenn es dann doch noch eine Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Saison geben sollte, sind Csire und seine Schützlinge auch gewappnet. „Wir arbeiten jetzt so, als würden wir in den nächsten Wochen bis zu den Sommerferien noch Turniere besuchen. Anderen Vereinen ergeht es ja auch nicht anders“, sagt der FCK-Cheftrainer.

Quelle: RP Online, Nils Jansen / Bild: OSP Rheinland