Deutschlands Damen beenden die WM 2018 mit einem sehr guten 9. Platz und PerspektivTeam-Athletin Nina Mittelham war eine feste Größe in der Mannschaft. Die DTTB-Auswahl unterlag Österreich am Dienstag im Achtelfinale knapp und war anschließend untröstlich.

Deutschlands Tischtennis-Damen haben bei den Team-Weltmeisterschaften in Halmstad den Einzug in das Viertelfinale unglücklich verpasst. PerspektivTeam-Athletin Nina Mittelham konnte ihr Match im Achtelfinale zwar erneut für sich entscheiden, die Mannschaft (Petrissa Solja, Sabine Winter und Nina Mittelham) verlor dennoch in einer umkämpften Partie unglücklich mit 2:3 gegen die Auswahl Österreichs, die nun auf Titelverteidiger China trifft. Grund zur Traurigkeit besteht jedoch nicht: Mit dem Einzug in die Endrunde der besten 12 Teams und damit als WM-Neunter hat Deutschland sein Soll in Schweden mehr als erfüllt.

Angesichts der knappen Niederlage überwog unmittelbar nach dem Match trotz des Erreichten zunächst die Enttäuschung, wie Führungsspielerin Petrissa Solja unumwunden zugab: „Ich hatte in meinem zweiten Einzel gegen Polcanova den Sieg schon vor Augen. Wenn ich gewinne, wäre das Match mit 3:1 für uns ausgegangen und wir hätten morgen um eine Medaille gekämpft. Meine Gegnerin hat dann aber etwas besser gespielt, ich hingegen habe mich nicht mehr weiter steigern können. Auch in den beiden Spielen von Sabine, die wir im fünften Satz verloren haben, hatten wir unsere Chancen. Deshalb sind wir natürlich alle zunächst einmal direkt nach der Niederlage sehr enttäuscht, das Viertelfinale verpasst zu haben. Da hilft es im Moment auch nicht, dass wir insgesamt gut bei dieser WM gespielt haben, vielleicht sogar besser, als viele das vorher gedacht haben.“

Dramatisches Wechselbad der Gefühle

Die dramatische Begegnung um den Einzug in das Viertelfinale tauchte Zuschauer und Teams in ein dreieinhalbstündiges Wechselbad der Gefühle. Nach dessen Ende flossen bei Verliererinnen und Siegerinnen Tränen. Zuvor schien Deutschland bei einer 2:0-Satz- und 5:1-Führung von Petrissa Solja im Duell der Spitzenspielerinnen gegen die Weltranglisten-21. Sofia Polcanova bereits auf dem sicheren Weg zu einem 3:1-Erfolg. Und als Österreich endgültig die Wende zu seinen Gunsten gestellt zu haben schien und Ex-Europameisterin Liu Jia gegen Sabine Winter mit 2:0 nach Sätzen führte, holte Winter im Duell der Bundesligaspielerinnen des SV DJK Kolbermoor mit unbändigem Kampfgeist Punkt für Punkt bis in den fünften Durchgang auf. Bis auf 5:9 kam Winter auch im Entscheidungssatz heran, dann beendeten zwei Netzbälle in Folge die Partie endgültig zu Gunsten der routinierten Österreicherin.

Im Matchverlauf hatte zunächst die Mixed-WM-Dritte Solja gegen Liu die unglückliche Fünfsatz-Auftaktniederlage von Winter gegen Polcanova souverän mit 3:0 ausgeglichen. Dann schien Nina Mittelham im dritten Einzel sogar für die Vorentscheidung gesorgt zu haben: Die 21-Jährige besiegte Petrissa Soljas ältere Schwester Amelie, die seit 2011 international für Österreich spielt, in einer umkämpften Fünfsatzpartie mit 11:6 im Entscheidungssatz. Doch auch Mittelham vermochte sich nicht richtig über ihre spielerisch und taktisch starke Leistung gegen ihre unorthox agierende Gegnerin zu freuen: „Ich habe zwar ganz ordentlich gespielt, aber das hat uns heute nichts genutzt. Diese WM wird mir sicher noch lange im Gedächtnis sein. Meistens erinnert man sich ja dann an das Positive, aber ich denke, bei mir wird es beides sein: Dass wir zum einen zufrieden sein können mit unserer guten Leistung, aber eben auch eine große Chance verpasst haben.“

Mannschaft zeigt ihr Potential

Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp konnte die Gefühlslage ihrer Spielerinnen gut nachvollziehen, zwang sich selbst nur wenige Minuten nach dem unglücklichen Ausscheiden zu einer sachlichen Einschätzung: „Wir sind jetzt direkt nach der Niederlage im Achtelfinale alle erst einmal enttäuscht. Aber wir sollten alle schnell das Erreichte in den Vordergrund stellen. Wir sind zu dieser WM gefahren und wussten nicht genau, wo wir stehen: Alle hatten im Vorfeld aus verschiedenen Gründen zeitweise länger nicht trainiert. Deshalb bin ich umso froher, dass wir unser Ziel, die Runde der besten Zwölf zu schaffen, erreicht haben. Die Mannschaft hat trotz der Umstände hier in allen sechs Partien gut gespielt und gezeigt, dass Potential in ihr steckt.“ Personelle Sorgen hatten einen kontinuierlichen Aufbau und eine langfriste Vorbereitung auf die WM 2018 verhindert und keinen Optimismus auf eine vierte Viertelfinalteilnahme in Folge geweckt. Petrissa Solja begann nach halbjähriger Pause erst Anfang des Jahres wieder mit Training und Wettkämpfen, Sabine Winter wurde in 2017 mehrere Monate durch eine hartnäckige Schulterverletzung und später durch eine Blinddarmoperation zurückgeworfen, Kristin Lang nahm nach der Geburt ihrer Tochter Carolin erst im Februar wieder das Training auf, Nina Mittelham warfen immer wieder kleinere Verletzungen und Erkrankungen aus dem Rhythmus.

DTTB-Sportdirektor Richard Prause zog deshalb eine positive Bilanz: „Das Abschneiden der Damen bei dieser WM ist sehr stark. Daran ändert auch die heutige Niederlage nichts. Die Mannschaft hat bei dieser WM wirklich großartige Leistungen gezeigt und ist in jeder Hinsicht als Team aufgetreten. Sie hat das gesetzte Ziel erreicht und wird mit dem mehr als verdienten Einzug unter die besten Zwölf nun als WM-Neunter eingestuft. Sie hat aber nicht nur ihre Setzung erfüllt, sondern war sogar nahe dran, sich noch weiter nach oben zu spielen – das haben die nur knapp und etwas unglücklich verlorenen Matches gegen Südkorea und heute gegen Österreich gezeigt. Alle Spielerinnen, die im Einsatz waren, haben gut gespielt, herausragend gekämpft und werden sich noch weiter verbessern. Das ist eine Mannschaft mit Potential.“

Quelle: tischtennis.de

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