Die 22-jährige PerspektivTeam-Athletin will ihr besonderes Talent fürs Tischtennis in Berlin weiterentwickeln – und mit dem TTC Eastside Pokalsiegerin werden.

Nina Mittelham ist in letzter Zeit viel unterwegs gewesen. Zunächst erreichte die Tischtennisspielerin kurz vor Weihnachten bei den US Open in Orlando das Halbfinale, direkt im Anschluss reiste sie weiter zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft nach Düsseldorf. Es blieb somit kaum Zeit, sich um ein Geschenk für ihre Großmutter zu kümmern, die am morgigen Sonntag Geburtstag feiert. Für Mittelham jedoch kein Problem, hatte sie doch ohnehin vor, ihrer Oma in diesem Jahr ein ganz besonderes Präsent zu machen.

Für die alte Dame will sie am Sonntag mit dem TTC Eastside den deutschen Pokal gewinnen. „Darüber würde sie sich wirklich riesig freuen“, sagt sie. Im vergangenen Jahr hatte Nina Mittelham im Finale gegen die Berlinerinnen den Kürzeren gezogen, damals spielte sie aber auch noch für Bad Driburg. Bei der Neuauflage im Halbfinale (10 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) steht sie nun auf der anderen Seite. Der zweite Teilnehmer für das Finale (gegen 13.30 Uhr) wird parallel zwischen Bingen/Münster-Sarmsheim und dem amtierenden deutschen Meister aus Kolbermoor ermittelt.
Das Pokalfinale steigt am Sonntag im Sportforum

„Wir sind der klare Favorit“, meint Mittelham. Auch in der Bundesliga ist Berlin momentan Tabellenführer, doch für den Pokalwettbewerb hat der Klub ein besonderes Faible entwickelt: Fünf Mal hintereinander gewann der TTC Eastside zuletzt den Cup – seit dessen Wiedereinführung in der Saison 2012/13 ist man in diesem Wettbewerb noch ungeschlagen. Mit einem weiteren Erfolg wäre der Rekord des DSC Kaiserberg eingestellt, der 1964 bis 1969 ebenfalls ein halbes Dutzend Pokalsiege in Folge schaffte.

Hinzu kommt der Heimvorteil. Alles andere als ein erneuter Erfolg wäre deshalb eine große Enttäuschung. Der Druck lastet schwer auf den schmalen Schultern von Nina Mittelham. Ihr soll es recht sein, schließlich war sie im Sommer genau aus diesem Grund nach Berlin gewechselt.

Die gebürtige Rheinländerin aus Willich suchte in der Hauptstadt nach einer neuen Herausforderung. Gerade gegen schwächere Gegner verlor sie in der Vergangenheit oft die Spannung und machte sich damit das Leben selbst schwer. Unter Druck ruft sie dagegen stets ihre beste Leistung ab – und der ist im deutschen Frauentischtennis nirgendwo größer als in Berlin und beim erfolgsverwöhnten TTC Eastside.
In der Weltrangliste liegt sie auf Rang 49

Schon oft ist Nina Mittelham in wichtigen Spielen über sich hinausgewachsen. Bereits in der Jugend war sie mehrfach Europameisterin: Bei den Kadetten siegte sie 2012 im Einzel und Doppel, bei den Juniorinnen 2013 sogar gleich dreimal im Einzel, Doppel und Mixed.

Im vergangenen September holte sie dann bei den Erwachsenen ihren ersten kontinentalen Titel. Zusammen mit Kristin Lang bezwang sie im Endspiel in Alicante (Spanien) in sieben packenden Sätzen die österreichisch-russische Kombination Sofia Polcanova und Yana Noskova. „Unsere Mischung aus Routine und Jugend hat sich super ergänzt“, sagt sie. Im entscheidenden Satz hatte Mittelham gleich zweimal bei gegnerischem Matchball einen extrem schwierigen Ball gespielt, am Ende wurde sie für diesen Mut belohnt. In der Weltrangliste beendete sie das Jahr auf Rang 49, nie stand sie so weit vorn. Damit qualifizierte sie sich erstmals für das Europe Top 16, das im Februar in Montreux in der Schweiz ausgetragen wird.

In Berlin setzen sie darauf, dass sich diese rasante Entwicklung fortsetzt. „Aus unserer Sicht verfügt Nina über die wohl besten Perspektiven aller europäischen Spielerinnen“, meint Eastsides Manager Andreas Hain. Und wer weiß, wo Nina Mittelham heute schon stünde, wenn sie in der Vergangenheit nicht so häufig krank oder verletzt gewesen wäre. Sie litt an Pfeifferschem Drüsenfieber und musste drei Lumbalpunktionen über sich ergehen lassen, ließ sich also Nervenflüssigkeit aus der Wirbelsäule entnehmen. Zwei Jahre lang konnte sie kaum trainieren – und muss im Training bis heute sehr dosiert vorgehen. „Ich muss sehr auf meinen Körper achtgeben. Ich trainiere lieber einmal weniger als zu viel, andere machen da deutlich mehr“, sagt sie. Dafür besitzt Nina Mittelham ein ungeheures Ballgefühl, zudem kann sie die nächsten Schläge ihrer Gegnerin gut antizipieren. Normalerweise kommt diese Fähigkeit erst mit langjähriger Erfahrung, doch die 22-Jährige bringt diese Gabe von Haus aus mit. „Da kann ich mich auf meine Intuition verlassen“, sagt sie.

Für drei Jahre hat Mittelham in Berlin unterschrieben. „Sie kann das neue Gesicht des Vereins werden“, sagt TTC-Präsident Alexander Teichmann. Auf der Fahrt zur Pokal-Qualifikation im Herbst hat Mittelham schon mal Verantwortung übernommen. Sie saß am Steuer, den Pokal neben sich auf dem Beifahrersitz, und brachte die Trophäe sicher ans Ziel. Zumindest für ein paar Wochen musste der Titelverteidiger das gute Stück damals an den Verband zurückgeben. Am Sonntag wollen die Berliner ihn zurückholen, nicht nur für Mittelhams Großmutter.

Quelle: Berliner Morgenpost / Bild: Picture Alliance