mittelham_nina_aktion3Ein Artikel von Sylvia Rasche im Westfalen-Blatt zur anstehenden U18-WM:

Ein Vorbereitungslehrgang in Paris liegt hinter ihr, der lange Flug nach Asien steht an diesem Mittwoch auf dem Programm. Die Bad Driburger Tischtennis-Bundesligaspielerin Nina Mittelham schlägt ab dem 30. November bei den Jugend-Weltmeisterschaften in Shanghai auf. Es werden besondere Titelkämpfe für die Angriffsspielerin, die am gestrigen Sonntag ihren 18. Geburtstag gefeiert hat. Zum letzten Mal in ihrer Karriere darf sie bei den U18-Weltmeisterschaften aufschlagen. Zum letzten Mal hat sie die Chance, eine Medaille bei großen Jugend-Turnieren zu gewinnen. Viele davon liegen bereits in ihrem Elternhaus in Willich, einige hat sie zuletzt aber aus gesundheitlichen Gründen verpasst.

Genau vor einem Jahr begann die Leidenszeit der Driburgerin. Bei den German-Open in Berlin hatte sie im November 2013 noch für viel Aufsehen gesorgt, als sie im hochklassig besetzten Damen-Feld als einzige gebürtige Europäerin das Achtelfinale erreicht hatte. Doch ausgerechnet am Tag vor der Abreise zu den Jugend-Weltmeisterschaften in Marokko folgte der Rückschlag. Pfeiffersches Drüsenfieber statt WM-Teilnahme war die niederschmetternde Wahrheit. Krankenbett statt Rampenlicht. Tränen statt Siegerfaust. Dass sie im Sommer dann auch noch die Olympischen Jugendspiele in China absagen und die Jugend-Euros nur mit halber Kraft spielen konnte, machte das Unglücksjahr der mehrfachen Europameisterin komplett. Ein Unglücksjahr, in dem sie zwischendurch immerhin mit dem TuS Bad Driburg den Bundesliga-Aufstieg feiern durfte und Dritte der Deutschen Meisterschaften der Damen wurde.

Jetzt hat sie die Chance, dieses Jahr in Shanghai versöhnlich zu beenden. Doch Nina Mittelham ist vorsichtig geworden. »Ich hoffe, dass alles gut läuft. Ich werde mein Bestes geben und versuchen gesund von der WM wieder heim zu kehren«, sagt die 18-Jährige. Wie groß ihr Potential ist, zeigt ein Blick in die aktuelle Mädchen-Weltrangliste. Trotz der zahlreichen verletzungsbedingten Turnierabsagen ist Mittelham hier mit Abstand die beste Europäerin. Gemeinsam mit der US-Amerikanerin Lily Zhang ist sie die einzige Nicht-Asiatin in den Top-20. »Konkrete Ziele setze ich mir vor der WM nicht«, erklärt die Driburgerin. Ihr ist es wichtig, wieder fit zu sein und es »abgesehen von einigen Wehwehchen« auch zu bleiben.

Beim Bundesliga-Gastspiel in Böblingen hat sie vor einer Woche im Spitzeneinzel gegen die ehemalige Weltranglistenvierte Qianhong Gotsch phasenweise ihr ganzes Können aufblitzen lassen. »Mir ist klar, dass meine Fortschritte zu sehen sind. Aber das geht mir zu langsam«, kommentiert die als sehr trainingsfleißig geltende Driburgerin ihren aktuellen Leistungsstand. Sie würde am liebsten noch härter und länger trainieren, um ganz schnell wieder ihre Top-Leistungen zu bringen. In ihrem Unglücksjahr hat sie aber auch gelernt, auf sich zu achten und sich in Geduld zu üben. So schwer es fallen mag.

In Shanghai stehen für Nina Mittelham gleich vier Disziplinen auf dem Programm. Neben Einzel, Doppel und Mixed wird auch der Team-Weltmeister ermittelt. Hier gehört die deutsche Mannschaft, wenn alle Spielerinnen fit sind, zum Kreis der Medaillenanwärter. Wie es sich anfühlt, eine WM-Medaille zu gewinnen, weiß Nina Mittelham schon. Sie hat 2012 im indischen Hyderabad Bronze mit der deutschen Mannschaft gewonnen. Mit ein bisschen Glück kann aus der bisher einzigen WM-Medaille eine kleine Sammlung werden. Das wäre nach all den Enttäuschungen und Rückschlägen ein schöner Jahresabschluss für die Driburgerin.