Deutschlands Damen mussten Europas Thron nach drei Erfolgen in Serie Rumänien überlassen. Im Finale musste die DTTB-Auswahl dabei durch ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst der 0:1-Rückstand, als die Weltranglisten-Neunte Han Ying Rumäniens Spitzenspielerin Elizabeta Samara gratulieren musste. Shan Xiaona sorgte anschließend mit einem klaren Erfolg über Daniala Monteiro Dodean für den Ausgleich. Nicht unerwartet erspielte sich Rumänien jedoch unmittelbar darauf die 2:1-Führung durch einen Sieg von Bernadette Szocs über Deutschlands 20-jährige EM-Debütantin Nina Mittelham, deren Schultern trotz guter Leistungen in Luxemburg diesmal noch zu schmal für die Bewältigung solch einer Drucksituation waren.

Der hochtalentierte EM-Neuling sagte nach dem Endspiel: „Ich wusste natürlich, dass dies ein sehr wichtiges Match war. Aber Bernadette war heute die bessere Spielerin. Ich bin zwar insgesamt mit meiner Leistung bei diesem Turnier zufrieden, hoffe aber, dass ich in der Zukunft auch unter Druck meine beste Leistung zeigen kann.“

Die überragende Shan Xiaona sorgte anschließend mit einem 3:1-Sieg über Samara ein zweites Mal für den Ausgleich, der Mannschaft half die beeindruckende Vorstellung am Ende aber nicht. Shan Xiaona: „Mit meiner eigenen Leistung bin ich sehr zufrieden. Ich hatte mich ganz auf die EM konzentriert und deshalb auch nicht für die Austrian Open in der nächsten Woche gemeldet. Schade, dass es diesmal nicht geklappt hat.“

Dabei hatte nach dem Ausgleich der Berlinerin vor dem letzten Einzel von Han Ying gegen Monteiro Dodean alles auf den vierten deutschen Triumph in Serie hingedeutet. Nie zuvor hatte Han Ying gegen die Rumänin bislang verloren. Doch die Mixed-Europameisterin traf die beiden ersten Sätze auch die gewagtesten Bälle, ehe Han der Anschluss zum 1:2 gelang und Monteiro Dodean mit zunehmender Spieldauer begann, mehr und mehr eigene Fehler zu produzieren. Im vierten Satz bei einer 10:8-Führung der in Düsseldorf lebenden Abwehrspielerin sah dann alles nach einem fünften Durchgang aus, doch Monteiro Dodean mobilisierte ihre letzten Kräfte und punktete viermal in Serie. Rumänien war urplötzlich Europameister. „Hätte ich nicht den vierten Satz noch gewonnen, wäre es wohl vorbei gewesen. Einen fünften Durchgang hätte mein Körper nicht geschafft. So geht für uns ein Traum in Erfüllung. 2013 und 2015 haben wir gegen Deutschland verloren und nur Silber geholt, es war an der Zeit für Gold“, sagte die mit Portugals Nummer drei verheiratete Rechtshänderin. Ihre Freundin und Teamkollegen Elizabeta Samara ergänzte: „Wir sind verdient Europameister, weil wir die beste Mannschaft hatten und stets an allen drei Positionen gepunktet haben.“

Enttäuschte Han Ying: „Es tut mir leid für die Mannschaft“

Sichtlich enttäuscht zeigte sich Deutschlands Top-Ten-Spielerin Han Ying. Ausgerechnet die sympathische Defensivkünstlerin, bei allen drei Titelgewinnen der Deutschen stets die Zuverlässigkeit in Person und Punktegarantin, ging diesmal im Finale leer aus. Han Ying nach dem Match: „Zunächst einmal mein Kompliment an Rumänien, das heute eine fantastische Leistung gezeigt hat und sich weiter entwickelt hat. Es tut mir leid für meine Mannschaft, dass ich ausgerechnet im Finale zwei Spiele verloren habe. Das fühlt sich für mich gerade ganz schlecht an, und es tut mir leid für meine Mitspielerinnen.“ Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp akzeptierte die Niederlage gefasst: „Meine Spielerinnen haben ihr Bestmögliches gegeben und alles versucht. Mein Kompliment geht an Rumänien, das eine großartige Leistung geboten hat und am heutigen Tag verdient Europameister geworden ist.“

Die Leistungen ihrer jüngsten Spielerin Nina Mittelham, die durch die Verletzung von Petrissa Solja, die erst wenige Wochen zurückliegende Blinddarmoperation von Sabine und die Schwangerschaft von Kristin Lang überhaupt erst in die dritte Position gerückt war, beurteilte Schöpp positiv: „Nina hat hier wirklich ein gutes Turnier gespielt. Beim Sieg im Viertelfinale gegen Partyka hat sie es sogar geschafft, an ihrem derzeitigen Maximum zu spielen. Sie ist noch jung und muss vor allem kontinuierlich und stabil trainieren, dann wird ihre Entwicklung weiter voranschreiten.“

Der Gewinn der Silbermedaille ist für Sportdirektor Richard Prause ein sehr respektables Ergebnis: „Mannschaft hat aber eine gute EM mit respektablen Ergebnissen gespielt. Wir wussten vorher, dass wir eine besondere Situation haben, in der wir um den Titel mitspielen, aber nicht Europameister werden müssen. Der zweite ist aller Ehren wert: Rumänien ist diesmal verdient Europameister geworden, auch wenn wir unsere Chance im Finale hatten.“

Quelle Text und Bilder: DTTB