In unserer „Question and Answer“-Serie möchten wir unsere PerspektivTeam-Talente etwas näher vorstellen. Wir haben sie deshalb nicht nur mit sportlichen sondern auch mit ein paar persönlichen Fragen bombardiert und sind gespannt welche überraschenden Einblicke uns unsere PerspektivTeam-Sportler*innen in der nächsten Zeit gewähren werden.

In Runde vier portraitieren wir Kletterin Hannah Meul. Ihre Sportart wird in Tokyo das erste Mal olympisch sein. Bei ihrem absoluten Highlight, der Jugend-Olympiade 2018 in Buenos Aires, belegte Hannah aber bereits Platz 4!

Hannah Meul, 19 Jahre, Kletterin:

Wie kamst du zu deiner Sportart?

Als meine große Schwester von einem Kindergeburtstag in der Kletterhalle zurück nach Hause gekommen ist, war sie so begeistert, dass sie sofort in einer Kindergruppe angefangen hat. Ich war damals noch zu jung. Als ich 7 war, gab es dann auch noch eine Gruppe für jüngere Kinder und seitdem gehört Klettern zu meinem Leben, und es ist nicht mehr weg zu denken.

Was war bisher dein größtes sportliches Highlight?

Mein absolutes Highlight bisher war mit Abstand die Jugend Olympiade in Buenos Aires 2018. Nicht nur der 4. Platz und damit die Teilnahme am Finale war unglaublich. Ich habe hier jede Sekunde an der Wand genossen und das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Mit den Menschen meine Freude am Sport zu teilen, war ein unfassbar schönes Gefühl und 3 Wochen lang mit Jugendlichen aus so vielen Ländern/Sportarten in einem Dorf zu leben war einfach inspirierend und ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Auf welches sportliche Highlight arbeitest du (nach aktuellem Stand) gerade hin?

Derzeit trainiere ich auf die Olympic combined Europameisterschaft in Moskau hin, die gleichzeitig auch der letzte Olympia Qualifikations Wettkampf ist. Ob die EM dieses Jahr stattfindet, ist natürlich noch nicht klar. Mein langfristiges Ziel ist aber auf jeden Fall die Olympiade 2024 in Paris!

Wie hast du die Corona-Zeit überbrückt? (Spezielle Trainingsformen, neue Sportarten oder Hobbys, Zeit für Schule/Studium etc.)

Durch die Schließung der Trainingsstätten mussten wir kreativ werden und ich habe mein Zuhause, (das ich früher eigentlich gezielt aus dem Training raus gehalten habe, und für mich lediglich ein Ort der Entspannung war) ganz neu entdeckt. Es hängen jetzt Ringe zwischen Kühlschrank und Esstisch, eine Klimmzugstange und Gewichte neben dem Geschirrschrank und ein Fingerboard neben dem Kamin. Ich habe angefangen im Wald hinter unserem Haus joggen zu gehen, obwohl ich eigentlich voll der Anti-Jogger war. Yoga durfte natürlich auch nicht fehlen und ich habe mir Handstand und Jonglieren beigebracht. Ganz ohne klettern konnte ich es aber nicht aushalten, deswegen hat mein Vater mir noch eine eigene Kletterwand an die Hauswand und in die Garage gebaut, wofür ich unendlich dankbar bin. An Motivationsmangel habe ich also nicht gelitten. Und natürlich habe ich wesentlich mehr Zeit für Dinge, die ich einfach nicht in eine normale Wettkampfsaison bzw. Trainingswoche unter bekomme. Ich habe so viele Bücher gelesen, wie ich normalerweise in einem ganzen Jahr schaffe. Ich habe gemerkt, dass ich echt gut kochen und backen kann und ich habe die Zeit genutzt, um mich einfach mal um mich selbst zu kümmern ohne mich unter Druck zu setzten und einfach mal das zu tun, wonach mir der gerade Sinn stand.

Auf welche Trainingseinheit freust du dich am meisten?

Am liebsten mag ich Kraft-Außdauer-Sessions. Wenn man das Grundlagentraining hinter sich hat und an wirklich schweren Routen Ausdauer trainieren kann, zeigt es einem jedes Mal, wie sehr die vorher gedachten körperlichen Grenzen durch die mentale Kraft und das Bekämpfen des eigenen Schweinehundes gepusht werden können. Ich kann mich im puren „Pump“ einfach so gut verlieren. Dann bin ich wie im Tunnel, Einwirkungen von Außen sind mir egal. Ich liebe es über meine Schmerzgrenzen hinaus zu gehen und an einen Punkt zu komme, an dem die Erschöpfung zwar da ist, ich in Gedanken jedoch ganz gelassen und ruhig bleibe und dadurch doch noch 5 Meter weiter klettere als beim letzten Mal. Wie mein Trainier Dieter mir schon ganz früh gesagt hat: „der Schmerz ist dein Freund“. Ich nehme den Schmerz wahr, aber nicht im negativen Sinne. Solange es kein Verletzungsschmerz ist, macht er mich bloß stärker und hilft mir auch mental über mich hinaus zu wachsen.

Hast du ein typisches Wettkampfritual oder einen Glücksbringer?

Seit fast 4 Jahren mache ich mir immer am Abend vor dem Wettkampf Locken und lackiere mir meine Fingernägel. Das gehört für mich zur Wettkampfvorbereitung genauso dazu, wie das Rucksack packen & Aufwärmen.

Mit wem würdest du gerne einmal zu Mittag essen und was?

Natürlich mit Pippi Langstrumpf, weil ich dann meine Spaghetti mit der Schere durchschneiden kann.

Was bringt dich auf die Palme?

Menschen die schlürfen! Dann stellen sich meine Nackenhaare auf und ich muss ganz schnell weg.

Was machst du am liebsten, wenn du gerade nicht trainierst?

An meinen Restdays gehe ich unglaublich gerne mit meinen Freunden frühstücken und probiere neue Cafés in der Gegend aus.

Welche Sportart berherrschst du überhaupt nicht?

Das ist leicht! Ich bin in jeglicher Ballsportart eine Niete! Bei den Bundesjugendspielen habe ich ab der 7. Klasse immer „nur“ noch eine Siegerurkunde bekommen, weil ich beim Weitwurf 12,50m geworfen habe. Ich habe natürlich immer den Horizont anvisiert, wie die anderen auch, aber der Ball hat mir leider nicht gehorcht und ist im hohen Bogen vor meinen Füßen gelandet.

Welche Sportart würdest du gerne genauso gut beherrschen, wie deine eigene?

Ballett! Ich habe früher immer bei Barbie und der Nussknacker vor dem Fernseher gestanden und mitgetanzt. Es ist so wunderschön und die Körperbeherrschung der Tänzer einfach inspirierend.

Wie sieht dein Traumberuf aus?

Ich möchte unbedingt etwas im pädagogischen Bereich machen. Am besten natürlich in Kombination mit meinem Sport, wie eine Kindergruppe betreuen oder auch Therapeutisches Klettern mit Kindern. (Als ich klein war wollte ich immer Baby-Affen-Tierpflegerin werden, wenn das irgendwie möglich sein sollte, würde ich natürlich auch nicht nein sagen)

Was würde deine Trainerin über dich sagen?

Ich denke, da meine Trainerin und ich einfach zusammenpassen wie die Faust aufs Auge, würde ich erst mal mit meiner intuitiven Planmäßigkeit starten. Sie würde mich als verspielt beschreiben, was sich auch in meinem Kletterstyle widerspiegelt. Sie würde sagen, dass ich einen sehr gesunden Ehrgeiz habe, der je nach Tagesform auch mal übers Ziel hinaus schießen kann und damit manchmal meine Leistung limitiert.

Schule, Ausbildung, Studium? Was machst du neben deinem Sport?

Ich habe letztes Jahr mein Fach-Abitur gemacht und mich danach ein Jahr auf meinen Sport konzentriert und bin gereist. Jetzt möchte ich gerne ab dem Wintersemester anfangen Soziale Arbeit zu studieren.

Hast du einen Spitznamen?

Leider nein, ich bin einfach Hannah.

Würdest du lieber in die Zukunft oder in die Vergangenheit reisen? Warum?

Ich würde unglaublich gerne in die Vergangenheit reisen. In die 80er, in denen sich das Klettern unglaublich entwickelt hat und scheinbar unmögliche Grenzen überschritten wurden.