Das OSP-PerspektivTeam bekommt mit dem 17-jährigen Weitsprung-Talent Samuel Claudy weitere Verstärkung. OSP-Leiter Daniel Müller begrüßte Samuel und seinen Trainer Dirk Zorn gemeinsam mit Laufbahnberaterin Annika Reese am Olympiastützpunkt für ein erstes Kennenlernen. Dabei ist Dirk Zorn als damaliger Trainer von unserem ehemaligen PerspektivTeam-Athleten Ole Grammann ein alter Bekannter.

Nun hat der Dormagener Trainer ein weiteres Talent unter seinen Fittichen. Besonders auf sich aufmerksam machte Samuel Claudy dieses Jahr bei den Europäischen Jugendspielen in Baku. Bei seinem ersten internationalen Einsatz belegte er mit 7.25m Rang 4. Eine tolle Leistung und trotzdem war dem jungen Nachwuchsspringer die Enttäuschung nach dem Wettkampf ins Gesicht geschrieben. Lediglich 6 Zentimeter trennten ihn vom erstplatzierten Österreicher, sogar nur ein Zentimeter von der Bronzemedaille. Im ersten Moment Pech, aber Samuel sieht die Blechmedaille von Baku als Motivation für weitere Höchstleistungen.

Trotz des 4. Platzes bei der Jugend-Olympiade, beendet der Dormagener die Saison 2019 als Erster der europäischen U18-Bestenliste. Dies hat er seinem Satz auf 7.57m bei der Bauhaus Junioren-Gala, dem entscheidenden Wettkampf um das eine Ticket für das Europäische Olympische Jugend-Festival, in Mannheim zu verdanken. Seit der Jahrtausendwende ist kein DLV-Youngster seiner Altersklasse weiter gesprungen. Umso beeindruckender wird diese Leistung, wenn man hört, dass sich Samuel 6 Wochen vor der Bauhaus-Gala noch einen Innenbandriss zugezogen hatte.

Umzug ins Sportinternat mit 14 Jahren

Um diese Erfolge feiern zu können, unternahm Samuel bereits mit 14 Jahren den Umzug von Hessen nach Nordrhein-Westfalen ins Sportinternat Knechtsteden bei Dormagen. Hier verfolgt er seitdem seine sportlichen Träume, die klar definiert sind: „Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele.“ In seiner hessischen Heimat kam Samuel Claudy mit sechs Jahren zur Leichtathletik – zwischendrin gab es nur einen kurzen Abstecher zum Fußball. Sein Trainer bei der LG Wetzlar war Mark Schwesig, der heute das derzeit wohl größte deutsche 800 Meter-Talent Sophia Volkmer (TV Wetzlar) betreut.

In der Läufer-Gruppe sah der angehende Weitspringer für seine Disziplin vor drei Jahren nicht ausreichend Perspektive und entschloss sich zum Wechsel. Sein neuer Trainer wurde Dirk Zorn, der zuletzt auch U18-WM-Teilnehmer Ole Grammann vor dessen Wechsel nach Münster gecoacht hatte. „Die Zusammenarbeit klappt supergut, ich kann mir keinen besseren Trainer vorstellen, das Training macht auch Mega-Spaß“, erzählt Samuel Claudy. Trainiert wird von Montag bis Freitag, wochenends ist frei, außer es stehen Wettkämpfe an.

Ursprünglicher Plan von Samuel Claudy war es, am neuen Standort für den Mehrkampf zu trainieren. Doch als der erste Neunkampf bevorstand war er verletzt und entschied dann, in Zukunft auf den Weitsprung zu setzen. Sein Vorbild blieb trotzdem weiterhin Ashton Eaton, der Ex-Zehnkampf-Weltrekordler. „Die Art und Weise, wie Ashton Eaton an seine Zehnkämpfe und Wettkämpfe rangegangen ist, fand ich sehr inspirierend. So möchte ich auch mal sein, zwar nicht im Zehnkampf, aber im Weitsprung.“

Der frühe Auszug von zu Hause ist ihm zunächst nicht leicht gefallen, seine Eltern, die beide auch Leichtathletik gemacht haben, vermisste er anfangs. Aber schon bald lebte sich der Teenager gut ein. Die Familie besucht er alle zwei bis drei Wochen und in den Schulferien. Der mutige Schritt hat sich spätestens jetzt gelohnt. Auf seinen ersten internationalen Erfolg werden hoffentlich noch viele weitere folgen. Der OSP freut sich, Samuel als PerspektivTeam-Mitglied auf diesem Weg bestmöglich zu unterstützen.

Quelle: Pamela Lechner, leichtathletik.de / Bilder: OSP Rheinland