Am gestrigen Montag besuchte Leichtathletin Jennifer Montag gemeinsam mit ihrem Trainer Hans-Jörg Thomaskamp die Zentrale des Olympiastützpunktes Rheinland in Köln. Anlass war ihre Aufnahme in das OSP-PerspektivTeam, welches die Leverkusenerin auf ihrem Weg zu einer Teilnahme an Olympischen Spielen eine besondere Förderung zukommen lassen wird – sozusagen eine VIP-Betreuung innerhalb der klassischen OSP-Betreuung.

Trotz ihrer zarten 19 Jahre musste Jennifer Montag lange auf Erfolge warten und einen steinigen Weg mit zahlreichen Krankheiten und Verletzungen meistern. Fast vier Jahre laborierte die Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement immer wieder an Verletzungen und Krankheiten, die sogar zahlreiche Operationen unumgänglich machten. Die Odyssee begann mit entzündeten Kreuzbändern. Es folgte eine Knochenabsplitterung im Fußballen – Operation Nummer eins! In den anschließenden zwei Jahren verbrachte Jennifer Montag deutlich mehr Zeit bei Ärzten, als auf dem Sportplatz. Ständige Bauchkrämpfe und Flüssigkeitsansammlungen im Bauch stellten selbst die Spezialisten vor eine Herausforderung. Eine Bauchspiegelung, bei der auch der Blinddarm entfernt wurde, lieferte weder eine Linderung der Schmerzen, noch eine Diagnose. Nach ersten Anzeichen von Nierenversagen wurde dann endlich das Problem gefunden: Eine angeborene Engstelle am Übergang von der Niere zum Harnleiter. Zwei große und kräfteraubende Operationen brachten endlich Erleichterung.

Vor drei Jahren wechselte Jennifer Montag in die Trainingsgruppe von Hans-Jörg Thomaskamp, in der auch ihr Freund und Hochspringer Mateusz Przybylko trainiert. Auch ihre Eltern – die Mama Sprinterin, der Papa ebenfalls Sprinter und Weitspringer – haben schon unter dem Erfolgscoach trainiert. Vor der Hallensaison 2017 hatte die ehemalige Athletin vom LAV Bayer Uerdingen/ Dormagen kaum Erwartungen an sich selbst. „Ich konnte eigentlich noch nie lange Zeit ohne Verletzungen trainieren. Ich wusste noch nicht einmal, welche Zeiten über 60 Meter gut sind – komischerweise. Meine Bestleistung stand vorher bei 7,69 Sekunden. Mein einziges Ziel war es, diese Zeit zu unterbieten“, sagte Jennifer Montag.

Und das tat sie mehr als eindrucksvoll. Schon in der vergangenen Hallensaison sorgte die Auszubildende der Bayer AG mit ihrer Silbermedaille und 7,46 Sekunden bei den nationalen U20-Titelkämpfen über 60 Meter für eine Überraschung. Den nächsten Paukenschlag hielt die junge Leverkusenerin im Mai diesen Jahres bereit. In 11,44 Sekunden pulverisierte die 19-Jährige ihre bisherige Bestzeit und stellte damit den seit 1991 gültigen U20-Nordrhein-Rekord ein. Dass es so schnell gehen kann, überraschte nicht nur Jennifer Montag, sondern auch Trainer Hans-Jörg Thomaskamp. Und das sollte noch längst nicht alles sein. Einen Monat später steigerte sie ihre Bestleistung erneut auf unglaubliche 11,29 Sekunden und qualifizierte sich für die U20 EM im italienischen Grosseto.

Im EM-Halbfinale wurde die zierliche Sprinterin buchstäblich vom Winde verweht. Bei starkem Gegenwind konnte sich Jennifer Montag nicht für das sicher geglaubte Finale qualifizieren. Der Start in der wenige Tage später folgenden 4x100m Staffel sollte über die Enttäuschung im Einzelstart hinweg trösten. Und das tat sie. Im Vorlauf brachte Schlussläuferin Jennifer Montag das deutsche Staffelholz als erste in 43,27 Sekunden ins Ziel – Jugend-Weltrekord!
Auch im Finale rannten sie wenig später der Konkurrenz davon und wurden U20 Staffel-Europameister.

Diese herausragende Leistung verschaffte Jennifer Montag und ihren Staffelkolleginnen einen Startplatz beim diesjähirgen ISTAF in Berlin – dem größten Leichtathletik-Meeting der Welt. Dort präsentierte sich die junge Weltrekord-Staffel zum Saisonabschluss in 44,35 sec mit einem tollen sechsten Platz.

Wir freuen uns, dass wir Jennifer Montag im PerspektivTeam begrüßen dürfen und wünschen ihr, dass sie in der kommenden Saison an ihre tollen Leistungen anknüpfen kann.

Bilder: OSP Rheinland / Peter Eilers