In der vergangenen Woche hat OSP-Leiter Horst Schlüter mit Sportkletterin Hannah Meul nicht nur ein neues Talent am Olympiastützpunkt herzlich willkommen geheißen, sondern mit ihr auch symbolisch eine neue olympische Sportart in der OSP-Betreuung begrüßt. Denn Sportklettern wurde im Jahr 2016 durch das IOC in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen und wird bei den Olympischen Spielen in Tokyo 2020 seine Premiere feiern. Wir freuen uns sehr darüber, dass mit Hannah Meul nun auch die Sportart Klettern Eingang ins PerspektivTeam findet.

Erstmals aufmerksam auf die talentierte Sportlerin wurde der OSP Rheinland bei der Jugend-WM 2017 in Innsbruck, als sich Hannah Meul eines der begehrten Tickets für die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires 2018 sichern konnte. Im vergangenen Oktober durfte Hannah schließlich als einzige Deutsche erstmals unter den fünf Ringen im Olympic-Combined-Format an den Start gehen und verpasste als Vierte die Medaillen nur hauchdünn. Das neue Wettkampfformat ist eine Kombinations-Wertung aus den Disziplinen Lead, Bouldern und Speed, die extra für die Olympischen Spiele in Tokyo kreiert wurde.

Beim Lead bekommen die Athleten ein Zeitlimit von 6 Minuten. Geklettert wird mit Seil an ca. 10 bis 20 Meter hohen Kunstwänden. Ziel beim Lead ist es, eine Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern, bzw. in dieser Route möglichst höher als die Konkurrenz zu klettern. Dabei muss der Kletterer im Vorstieg alle Zwischensicherungen selbst einhängen. Beim Bouldern wird im Gegensatz zum Lead ohne Seil und in Absprunghöhe geklettert. Hier geht es um das Bewältigen möglichst schwerer Einzelzüge. Die dritte Disziplin, das Speedklettern, ist die jüngste der drei Kategorien. Hier entscheidet die Geschwindigkeit über den Sieg. An einer standardisierten Speedwand mit einer festen Abfolge von Griffen müssen die Athleten so schnell wie möglich empor klettern und am Ende der Route einen Buzzer betätigen. Gesichert wird mit einer Seilsicherung von oben.

Für die 17-jährige Schülerin aus Frechen ist das neue Wettkampfformat für Olympia eine außergewöhnliche Erfahrung und ein Ziel, auf das sie hintrainiert: Auf fünf Einheiten mit 12 bis 15 Stunden pro Woche beläuft sich Hannahs Pensum – plus eine zusätzliche Kraft- und Athletik- Einheit am Olympiastützpunkt, wo sie als Mitglied des Perspektivkaders sämtliche Betreuungsangebote nutzen kann. „Ich trainiere durch das neue Format schon mehr – alleine dadurch, dass die Speed-Einheit dazugekommen ist“, berichtet die amtierende Deutsche Meisterin im Lead. Wie für die meisten deutschen Kaderathleten ist Speed auch für sie die eher ungeliebte Disziplin, die nun eben dazugehört: „Das neue Format ist schon anstrengend und man muss zwischen den Runden immer unter Spannung bleiben.“

Das erhöhte Trainingspensum hat sich bereits ausgezahlt. Nach einem 2. Platz bei der Jugend-EM  und einem 5. Platz bei der Jugend-WM 2017, erreichte Hannah 2018 bei ihrer ersten Jugendolympiade einen grandiosen vierten Platz.

2019 wird für das junge Talent ein wichtiges Jahr mit noch größeren Zielen. Es ist das Qualifikationsjahr für die Olympischen Spiele in Tokyo. Und eine Olympia-Teilnahme 2020 bei den Erwachsenen wäre für Hannah ein Traum.

Die Disziplin, die sie für das Training aufbringt, braucht sie auch in der Schule, um beides unter einen Hut zu bringen. „Durch das Klettern habe ich gelernt, mich auf eine Sache zu konzentrieren.“ Hannah besucht die zwölfte Klasse des Erzbischöflichen Berufskollegs Köln und macht im Frühjahr auch noch ihr Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Vereinbarkeit klappt gut und die Schule unterstützt sie sehr – natürlich vorausgesetzt, dass die schulischen Leistungen stimmen. Ihr Berufswunsch: Erzieherin, denn die Arbeit mit Kindern macht ihr unglaublich viel Spaß. Ihr erstes Schülerpraktikum hat sie in einer Kletterhalle gemacht und dort auch mit Kindern trainiert. „Ich finde es toll, das Strahlen in den Augen zu sehen, wenn die Kinder über sich hinausgewachsen sind.“

Dieses Strahlen in den Augen wünschen wir auch Hannah für das kommende Qualifikationsjahr und werden sie als neues PerspektivTeam-Mitglied auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen bestmöglich unterstützen!

Qulle: DAV / Bilder: OSP Rheinland