Bo Kanda Lita Baehre springt zu neuer persönlicher Bestleistung (Bild: picture alliance)

Unser PerspektivTeam-Athlet Bo Kanda Lita Baehre vom TSV Bayer 04 Leverkusen verteidigte am Wochenende bei den Deutschen U20-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen seinen Vorjahrestitel und schraubte dabei seine persönliche Bestleistung auf beeindruckende 5,50 Meter. Grund genug für das Leichtathletik-Portal leichtathletik.de, den Überflieger ausführlich zu interviewen.

Bo Kanda Lita Baehre, du absolvierst eine extrem starke Hallensaison. Wie kommt es, dass du so stabil auf diesem Niveau springst und dich kontinuierlich steigerst?

Bo Kanda Lita Baehre:
Ich habe mir diese Höhen gar nicht vorgenommen. Das ist einfach passiert. Ich habe meinen Anlauf von zwölf auf 14 Schritte verlängert und das gelingt mir relativ gut. Im Training haben wir im Vergleich zum letzten Jahr gar nicht so viel verändert. Ich trainiere vier bis fünfmal die Woche. Wir arbeiten aber speziell mehr an meiner Technik. Dadurch läuft es besser als sonst.

Du trainierst bei Bundesnachwuchstrainerin Christine Adams und hast dort rasante Fortschritte gemacht. Wie läuft eure Zusammenarbeit?

Bo Kanda Lita Baehre:
Da läuft alles super. Sie ist nicht nur meine Trainerin, sondern hilft mir auch bei der Schule und anderen Dingen in meinem Leben. Ich gehe aufs Berufskolleg in Leverkusen und mache in zwei Jahren mein Abitur.

Bei der Hallen-DM in Leipzig hast du mit 5,48 Metern als jüngster Teilnehmer schon Rang vier belegt. Wie hast du die Atmosphäre in der Arena erlebt? Du hast das Publikum ziemlich animiert und sogar Applaus eingefordert…

Bo Kanda Lita Baehre:
Das waren in Leipzig meine ersten Deutschen Meisterschaften bei den Männern. Das war auf jeden Fall eine gute Erfahrung, vor allem mit den ganzen Zuschauern. Die Atmosphäre wollte ich mitnehmen, sie hat mir Motivation gegeben, höhere Höhen zu springen. Als ich vor zwei Jahren die anderen Springer sah, dachte ich, das dauert noch relativ lange, bis ich dort mitspringen kann. Aber jetzt geht es doch relativ schnell. Wir werden sehe, wie bald ich schon richtig im Männer-Bereich mitspringen kann.

Du wirktest in Sindelfingen im Anlauf sehr entschlossen, als du dich an neue Höhen gewagt hast. Auch bei den Versuchen über 5,60 Meter. Wie kommt das?

Bo Kanda Lita Baehre mit Trainerin Christine Adams und OSP-Leiter Michael Scharf anläßlich der Aufnahme in das OSP-PerspektivTeam (Bild: OSP Rheinland / Peter Eilers)

Bo Kanda Lita Baehre:
In Leipzig habe ich den letzten Versuch über 5,58 Meter abgebrochen. Das hat mich im Nachhinein geärgert. Deshalb musste ich in Sindelfingen einfach durchspringen, sonst hätte ich mich am nächsten Tag wieder geärgert. Und dann wüsste ich auch nicht, wo ich stehe.

Die Sprünge über 5,60 Meter sahen sehr gut aus. Traust du dir die Höhe bald schon zu?

Bo Kanda Lita Baehre:
Ich weiß nicht, ob es in dieser Hallensaison noch klappt. Da ist nach den beiden Meisterschaften schon ein wenig die Luft raus. Danach ist es schwerer, sich jetzt noch zu motivieren. Wenn die Höhe das nächste Mal fällt, dann soll sie fallen. Und wenn nicht, dann hebe ich sie mir für die Sommersaison auf. Dort will ich einfach Spaß haben und Wettkampfpraxis sammeln.

Du fällst in letzter Zeit nicht nur durch starke Leistungen auf, sondern auch durch deine Jubelposen. Stimmt es, dass du dir diese auch von Football-Spielern abschaust?

Bo Kanda Lita Baehre:
Das war ein Missverständnis. Ich schaue mir keine Posen ab. Jetzt kann ich es endlich richtig stellen, weil mich auch schon viele darauf angesprochen haben, dass sie das witzig finden. Aber ich kucke mir keine Posen von Football-Spielern ab. Ich mache meine eigenen Posen. Ich will selbst zu einem Vorbild werden.

Der deutsche U20-Hallenrekord von Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) steht bei 5,68 Metern. Du hast nächsten Winter noch ein Jahr in der Jugend. Willst du den Rekord noch angreifen?

Bo Kanda Lita Baehre:
Wenn es klappen soll, dann soll es klappen. Ich nehme mir jetzt nicht vor, den deutschen Rekord zu brechen. Aber es kann passieren. Theoretisch habe ich es drauf.

Der Grieche Emmanuel Karalis, der bei den U18-Europameisterschaften in Tiflis (Georgien) vor dir den Titel gewann, hat kürzlich 5,70 Meter geschafft und ist nun bei der Hallen-EM in Belgrad am Start. Beobachtest du das?

Bo Kanda Lita Baehre:
Ja klar, über Instagram bekommt man alles mit. Ich habe ihn nicht aus den Augen verloren. Ich will bei der U20-EM noch meine Revanche aus dem letzten Jahr. Natürlich will man besser sein, der Beste der Welt sein, sonst macht man das nicht. Ich gönne es ihm aber und gönne das jedem, der es schafft.

Ihr seid jedenfalls ein starker Jahrgang. Du hast wie Emmanuel Karalis eine lange schwarze Stulpe am Arm. Was hat es damit auf sich?

Bo Kanda Lita Baehre:
Das ist eher Deko. Ich habe es mir aber nicht von ihm abgeschaut. Julian Otchere [Dritter bei der Jugend-Hallen-DM mit 5,15 m; MTG Mannheim] hat das auch gehabt. Das ist vielleicht noch ein Bonus für den Kopf.

Wie gehst du mental in so einen Wettkampf? Bist du angespannt oder freust du dich?

Bo Kanda Lita Baehre:
Ich freue mich auf den Wettkampf und freue mich auch zu gewinnen. Ich gehe nicht einfach in den Wettkampf und sage, dass ich Spaß haben will, sondern ich will gewinnen. In Leipzig wollte ich natürlich auch gewinnen, auch wenn Raphael Holzdeppe vor mir ist. Wenn man mit der Einstellung, ich will Fünfter werden, in den Wettkampf geht, dann wir der Wettkampf nicht so gut.

Wo kannst du dich in der Zukunft noch verbessern?

Bo Kanda Lita Baehre:
Ich kann meine Technik verbessern, meinen Anlauf noch verlängern und dadurch längere Stäbe springen. Für Außenstehende sieht die Technik schon ziemlich gut aus, für mich selbst nicht. Ich kann den Arm beim Absprung noch länger gestreckt halten, den Stab höher tragen, den trage ich noch ziemlich tief. Da gibt es noch viele Sachen.

Interview: Pamela Ruprecht